”Ein Gebäude zwischen Rhein, Industriegeschichte und Landesgeschichte”

  • Wenn ich über Düsseldorf nachdenke, denke ich natürlich nicht nur an einzelne Gebäude.
  • Düsseldorf ist für mich eine Stadt, die sich ständig verändert hat und bis heute verändert.
  • Ich, Jakob Diener, wurde in Düsseldorf-Lierenfeld geboren.
  • Damit gehört diese Stadt zu meiner eigenen Lebensgeschichte, und vielleicht erklärt das auch, warum mich bestimmte Orte in Düsseldorf besonders interessieren.

“Einer dieser Orte ist der Behrensbau am Mannesmannufer”

  • Der Behrensbau gehört für mich zu den besonders interessanten Gebäuden Düsseldorfs.
  • Nicht allein wegen seiner Architektur.
  • Interessant ist vor allem das, was dieses Gebäude im Laufe seiner Geschichte erlebt hat.
  • Es war Unternehmenszentrale eines bedeutenden deutschen Industriekonzerns, Schauplatz wirtschaftlicher Macht, wurde von französischen Besatzungstruppen genutzt, war nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der britischen Militärregierung und wurde anschließend zu einem zentralen Ort des politischen Neubeginns in Nordrhein-Westfalen.
  • Später kehrte es wieder zur Wirtschaft zurück, wurde Schauplatz der spektakulären Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone und soll nun als Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen erneut eine völlig andere Funktion erhalten.
  • Kaum ein Düsseldorfer Gebäude verbindet Architektur, Industriegeschichte, Krieg, Besatzung, Landesgeschichte, Wirtschaft und Gegenwart auf so engem Raum.

“Der Standort am Rhein”

  • Der Standort ist für das Verständnis des Behrensbaus von entscheidender Bedeutung.
  • Das Gebäude steht am Mannesmannufer 2 unmittelbar am Rhein, zwischen Altstadt, Regierungsviertel und dem heutigen Landtag Nordrhein-Westfalen.
  • Die Lage macht den Bau zu einem Teil jener Düsseldorfer Rheinfront, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder verändert hat.
  • Die Stadt Düsseldorf war schon lange vor dem Bau des Behrensbaus vom Rhein geprägt.
  • Der Fluss war Verkehrsweg, Handelsweg, Wirtschaftsraum und gleichzeitig eine wichtige städtebauliche Grenze.

”Mit der Industrialisierung veränderte sich seine Bedeutung nochmals”

  • Düsseldorf entwickelte sich vom Handels- und Verwaltungsstandort zunehmend zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Industriestandort.
  • Die Stadt selbst beschreibt den wirtschaftlichen und architektonischen Aufstieg Düsseldorfs um die Wende zum 20. Jahrhundert als einen entscheidenden Schritt auf dem Weg von der kleineren Stadt zur modernen Metropole.
  • Der Behrensbau von 1911/12 gehört dabei ausdrücklich zu den architektonischen Dominanten der damaligen Rheinfront.
  • Wer heute am Rheinufer steht, sieht deshalb nicht einfach ein historisches Verwaltungsgebäude.
  • Er sieht einen Ort, an dem sich die Entwicklung Düsseldorfs besonders deutlich ablesen lässt.

“Düsseldorf vor dem Behrensbau”

  • Als Peter Behrens den Auftrag für den neuen Verwaltungssitz der Mannesmannröhren-Werke erhielt, war Düsseldorf bereits längst keine kleine rheinische Stadt mehr.
  • Industrie, Handel, Verwaltung, Kunst und Architektur entwickelten sich parallel.
  • Gerade diese Verbindung ist für den Behrensbau wichtig.
  • Denn Mannesmann war nicht irgendein Unternehmen.
  • Der Konzern stand für eine Industrie, die Deutschland wirtschaftlich und technisch veränderte.
  • Die Entwicklung der Stahl- und Röhrenindustrie machte Unternehmen wie Mannesmann zu international bedeutenden Industrieunternehmen.
  • Eine solche Firma benötigte deshalb nicht mehr nur Büroräume.
  • Sie benötigte einen repräsentativen Mittelpunkt.
  • Der Behrensbau sollte genau diese Aufgabe erfüllen.

“Peter Behrens und Düsseldorf”

  • Der Architekt Peter Behrens gehört zu den wichtigsten Gestaltern des Übergangs von der historischen Architektur zur Moderne.
  • Sein Werk beschränkte sich dabei nicht auf Architektur.
  • Behrens arbeitete auch als Designer und Gestalter und entwickelte unter anderem für die AEG ein umfassendes Erscheinungsbild, bei dem Gebäude, Produkte, Grafik und Unternehmensdarstellung zusammengehörten.
  • Damit wurde er zu einem wichtigen Wegbereiter moderner Unternehmensgestaltung.
  • Für den Mannesmann-Konzern war Behrens deshalb eine äußerst passende Wahl.

”Der Auftrag für das Düsseldorfer Verwaltungsgebäude entstand 1910”

  • Bezugsfertig war der Bau 1912.
  • Im Dezember 1912 zog die Mannesmannröhren-Werke AG in ihre neue Zentrale ein.
  • Behrens war zu diesem Zeitpunkt bereits ein bedeutender Architekt und Gestalter.
  • Sein Düsseldorfer Bau gehört zu jener Phase, in der er einerseits mit modernen Konstruktionen arbeitete, andererseits aber noch stark auf historische architektonische Formen zurückgriff.
  • Genau darin liegt eine der großen Besonderheiten des Gebäudes.

“Ein modernes Gebäude mit historischem Gesicht”

  • Von außen wirkt der Behrensbau zunächst nicht wie das, was man heute spontan mit moderner Architektur verbindet.
  • Die Fassade erinnert an einen repräsentativen Stadtpalast.
  • Bezüge zur italienischen Renaissance und zum Neoklassizismus sind deutlich erkennbar.
  • Der sandfarbene Tuffstein der Fassade, der helle Muschelkalk im Sockelbereich und das dunkle Schieferdach erzeugen ein Erscheinungsbild, das bewusst auf Dauerhaftigkeit, Ordnung und Repräsentation setzt.

”Doch hinter dieser historischen Wirkung steckt eine ausgesprochen moderne Konstruktion.

  • Der Behrensbau wurde als Eisenskelettbau errichtet.
  • Dadurch konnten die Innenräume wesentlich flexibler organisiert werden als bei einem klassischen Massivbau.
  • Nichttragende Trennwände ermöglichten eine veränderte Aufteilung der Büros.
  • Das Stützenraster war auf die Bedürfnisse der damaligen Büroarbeit abgestimmt.
  • Baukunst NRW bezeichnet den Bau deshalb als einen der ersten großen modernen Verwaltungsbauten Deutschlands.
  • Damit entsteht ein architektonischer Gegensatz, der den gesamten Bau prägt.
  • Außen repräsentiert das Gebäude Tradition.
  • Innen ermöglicht es moderne Arbeitsorganisation.
  • Das ist kein Zufall. Ein Unternehmen wie Mannesmann wollte Fortschritt zeigen, ohne auf die symbolische Sprache von Macht und Dauerhaftigkeit zu verzichten.

“Die beiden Lichthöfe”

  • Ein weiterer entscheidender Bestandteil des Gebäudes sind die beiden Lichthöfe.
  • Sie sorgen dafür, dass auch die inneren Bereiche des großen Verwaltungsbaus mit Tageslicht versorgt werden.
  • Um die Höfe herum verlaufen die Verbindungsflure, während die Büros nach außen orientiert sind.
  • Dadurch war der Behrensbau für seine Zeit nicht nur repräsentativ, sondern auch ausgesprochen funktional.
  • Heute erscheint ein solcher Umgang mit Licht, Büroorganisation und flexibler Raumaufteilung selbstverständlich.
  • Um 1912 war er jedoch ein wichtiger Schritt in Richtung moderner Büroarchitektur.
  • Der Behrensbau war deshalb nicht lediglich ein schönes Gebäude.
  • Er war ein technisch und organisatorisch modernes Bürogebäude, das seine Modernität nicht plakativ nach außen zeigte.

“Behrens, Gropius und Mies van der Rohe”

  • Mit dem Behrensbau verbindet sich außerdem ein Stück Architekturgeschichte, das weit über Düsseldorf hinausreicht.
  • Bei Planung und Gestaltung des Gebäudes waren auch Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe beteiligt.
  • Beide wurden später zu herausragenden Vertretern der modernen Architektur.
  • Baukunst NRW nennt darüber hinaus Le Corbusier im Zusammenhang mit dem Umfeld von Behrens.
  • Gerade bei solchen Angaben ist allerdings eine gewisse Genauigkeit wichtig.
  • Der Behrensbau sollte nicht nachträglich zu einem Gemeinschaftswerk von Behrens, Gropius und Mies umgeschrieben werden.
  • Der entscheidende Entwerfer und Architekt war Peter Behrens.

”Interessant ist vielmehr das Umfeld”

  • Behrens‘ Atelier wurde zu einem wichtigen Ort für eine jüngere Architektengeneration.
  • Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier gehörten zu den Architekten, die in seinem Umfeld Erfahrungen sammelten.
  • Behrens‘ Düsseldorfer Verwaltungsbau zeigt deshalb eine Architekturauffassung an einem Wendepunkt:
  • Die Formenwelt der Vergangenheit war noch vorhanden, während Konstruktion und Organisation bereits in eine neue Zeit führten.

“Mannesmann – der Konzern hinter dem Gebäude”

  • Ohne Mannesmann lässt sich der Behrensbau nicht verstehen.
  • Die Mannesmannröhren-Werke standen für eine der großen industriellen Erfolgsgeschichten Deutschlands.
  • Die Entwicklung der Röhrentechnik hatte dem Unternehmen eine internationale Bedeutung verschafft.
  • Der neue Verwaltungssitz am Rhein sollte diesen Anspruch sichtbar machen.
  • Der Behrensbau war damit auch eine architektonische Visitenkarte.
  • Wer über den Rhein nach Düsseldorf kam oder sich der Stadt von der Rheinseite näherte, konnte das Gebäude als Teil der repräsentativen Stadtansicht wahrnehmen.
  • Die Landeshauptstadt selbst bezeichnet den Bau als eine Dominante der Düsseldorfer Rheinfront.
  • Architektur wurde hier zur Unternehmenskommunikation.

“Mannesmann zeigte mit dem Gebäude”

  • Wir sind modern, technisch leistungsfähig und wirtschaftlich bedeutend.
  • Gleichzeitig sollte die Architektur Stabilität und gesellschaftliches Gewicht vermitteln.

“Der Erste Weltkrieg und die Weimarer Zeit”

  • Der Behrensbau entstand unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg.
  • Düsseldorf entwickelte sich zu dieser Zeit weiter zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Messeplatz. Gleichzeitig änderten Krieg, Revolution und politische Instabilität die Rahmenbedingungen grundlegend.
  • Die Düsseldorfer Stadtchronik zeigt, wie stark die Stadt zwischen 1914 und 1920 von Krieg, Versorgungskrise, Besatzung und politischen Unruhen geprägt wurde.
  • Der Behrensbau blieb jedoch als Unternehmenszentrale bestehen und sollte wenige Jahre später selbst zum Schauplatz internationaler Konflikte werden.

“1923 – französische Besatzung und Ruhrkampf”

  • Eine besonders einschneidende Episode ereignete sich 1923.
  • Im Zusammenhang mit dem Ruhrkampf wurde der Behrensbau im März von französischen Truppen besetzt.
  • Das Gebäude diente anschließend als Sitz der Besatzungsbehörden.
  • Damit veränderte sich die Funktion des Hauses grundlegend.
  • Aus der Zentrale eines deutschen Industriekonzerns wurde vorübergehend ein Besatzungsstandort.
  • Gerade diese Episode zeigt, wie eng die Geschichte des Gebäudes mit der deutschen Industriegeschichte verbunden war.
  • Mannesmann war Teil jener industriellen Landschaft, um die sich die politischen und wirtschaftlichen Konflikte des Ruhrkampfes drehten.

“Der Zweite Weltkrieg”

  • Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ Spuren am Behrensbau.
  • Das Gebäude blieb jedoch von den alliierten Bombenangriffen weitgehend verschont.
  • Das ist für die heutige Wirkung des Gebäudes von großer Bedeutung.
  • Viele Düsseldorfer Gebäude gingen im Krieg verloren oder wurden anschließend stark verändert.
  • Der Behrensbau konnte dagegen in wesentlichen Teilen als historisches Zeugnis erhalten bleiben.

“Nach 1945 – ein völlig neuer Auftrag”

  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekam das Gebäude erneut eine politische Funktion.
  • Von 1945 bis 1946 nutzte die britische Militärregierung den Behrensbau als Sitz.
  • Danach begann eine der bedeutendsten Phasen in der Geschichte des Hauses.
  • 1946 wurde Nordrhein-Westfalen gegründet.
  • Düsseldorf wurde Hauptstadt des neuen Landes.
  • Die britische Militärregierung hatte die Stadt dafür ausgewählt.
  • Die Düsseldorfer Stadtgeschichte verweist unter anderem auf die Bedeutung der Stadt als Verwaltungszentrum des Ruhrgebiets, ihre Lage und darauf, dass Düsseldorf trotz der Kriegsschäden vergleichsweise weniger zerstört war als andere bedeutende Städte der Region.
  • Und genau hier kommt der Behrensbau wieder ins Zentrum.

“Der erste Regierungssitz Nordrhein-Westfalens”

  • Der Behrensbau wurde Sitz der ersten Landesregierung Nordrhein-Westfalens.
  • Hier arbeiteten die ersten Landesregierungen unter Ministerpräsident Rudolf Amelunxen und später Karl Arnold.
  • Diese Nutzung dauerte bis 1953.
  • Damit wurde aus einer ehemaligen Industrie-Zentrale ein Ort des demokratischen und politischen Neubeginns.
  • Das ist einer der Gründe, warum der Behrensbau für Nordrhein-Westfalen weit mehr ist als ein Baudenkmal.
  • In diesem Gebäude begann ein Teil der institutionellen Geschichte des neuen Bundeslandes.

“Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen”

  • Die Geschichte des Behrensbaus erklärt auch ein Stück weit, warum Düsseldorf bis heute eine besondere politische Bedeutung besitzt.
  • Die Stadt war nach dem Krieg nicht einfach nur eine weitere Großstadt am Rhein.
  • Sie wurde zum politischen Zentrum des neuen Landes Nordrhein-Westfalen.
  • Die Stadtchronik hält fest, dass Düsseldorf am 23. August 1946 durch die britische Militärregierung zur Hauptstadt des neu geschaffenen Landes wurde.
  • Der Behrensbau lag damit plötzlich mitten in einer neuen politischen Landschaft.
  • Heute liegen in seiner unmittelbaren Umgebung der Landtag Nordrhein-Westfalen, die Staatskanzlei, Ministerien, die Villa Horion und weitere Einrichtungen des Landes.
  • Was heute wie ein zusammenhängendes Regierungsviertel wirkt, entwickelte sich also aus einer historischen Situation, in der geeignete Gebäude nach dem Krieg überhaupt erst gefunden und genutzt werden mussten.

“Mannesmann kehrt zurück”

  • Nach der politischen Übergangsphase kehrte der Behrensbau wieder in seine wirtschaftliche Funktion zurück.
  • Von Mitte der 1950er-Jahre bis 2000 war das Gebäude erneut Sitz des Mannesmann-Konzernvorstands und diente als Büro- und Verwaltungsgebäude.
  • Damit erlebte das Haus einen bemerkenswerten Funktionswechsel.
  • Industriekonzern.
  • Besatzungsbehörde.
  • Landesregierung.
  • Wieder Industriekonzern.
  • Ein Gebäude kann kaum deutlicher zeigen, wie sehr sich gesellschaftliche Machtzentren verändern können.

“Der Mannesmann-Komplex am Rhein”

  • Der Behrensbau steht außerdem nicht isoliert.
  • Das ehemalige Mannesmann-Areal wurde im Laufe der Jahrzehnte erweitert.
  • Östlich entstand 1937/38 der sogenannte Väth-Bau unter Mannesmann-Baudirektor Hans Väth.
  • In den 1950er-Jahren kam das Mannesmann-Hochhaus hinzu.
  • Ein weiterer Bau aus den Jahren 1980 bis 1982 existiert heute nicht mehr.
  • Besonders interessant ist das Mannesmann-Hochhaus.
  • Es wurde 1956 bis 1958 nach Entwürfen von Paul Schneider-Esleben und Egon Eiermann errichtet und bildet einen bewussten architektonischen Kontrast zum Behrensbau.
  • Das Hochhaus gilt als erstes in Skelettbauweise errichtetes Hochhaus Deutschlands.
  • Damit stehen an diesem Düsseldorfer Rheinabschnitt zwei völlig unterschiedliche Vorstellungen von moderner Architektur nebeneinander.

“1912”

  • Repräsentative Reformarchitektur mit moderner innerer Konstruktion.

“1950er-Jahre”

  • Sichtbare technische Moderne mit Glas, Stahl und Hochhaus.
  • Der Mannesmann-Komplex wird dadurch selbst zu einer Art Architekturgeschichte im Maßstab eines einzelnen Grundstücks.

“1982 – der Behrensbau wird Denkmal”

  • 1982 wurde der Behrensbau unter Denkmalschutz gestellt.
  • Diese Entscheidung ist aus heutiger Sicht besonders nachvollziehbar, weil das Gebäude mehrere Ebenen von Bedeutung miteinander verbindet.
  • Es ist architektonisch bedeutend, weil es zu den frühen großen modernen Verwaltungsbauten Deutschlands gehört.
  • Es ist stadtgeschichtlich bedeutend, weil es die Entwicklung Düsseldorfs am Rhein dokumentiert.
  • Es ist wirtschaftsgeschichtlich bedeutend, weil seine Geschichte eng mit Mannesmann verbunden ist.
  • Und es ist politisch-historisch bedeutend, weil es in der Entstehungsgeschichte Nordrhein-Westfalens eine wichtige Rolle spielte.

“2000 – Mannesmann gegen Vodafone”

  • Dann kam das Jahr 2000.
  • Der Behrensbau wurde Schauplatz eines der spektakulärsten deutschen Wirtschaftskonflikte seiner Zeit:
  • Der Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone.
  • Die Auseinandersetzung war weit mehr als eine gewöhnliche Unternehmensübernahme.
  • Sie wurde zu einem Symbol für den Wandel der deutschen Unternehmenslandschaft und für die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft.
  • Der historische Ort bekam damit noch einmal eine völlig neue Bedeutung.
  • Das Gebäude, das ursprünglich die wirtschaftliche Stärke von Mannesmann repräsentiert hatte, wurde nun zum Schauplatz des Kampfes um die Zukunft dieses Konzerns.
  • Die Geschichte des Hauses wurde damit gewissermaßen selbst Teil der Wirtschaftsgeschichte, die in ihm stattfand.
  • Das Haus der Geschichte NRW stellt genau diese Entwicklung von den Anfängen Mannesmanns bis zur Übernahmeschlacht mit Vodafone heraus.

“2008 – das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt”

  • 2008 erwarb das Land Nordrhein-Westfalen den Behrensbau.
  • Vodafone nutzte das Gebäude noch bis 2012. In den Jahren 2015 bis 2017 wurden Teile des Hauses während der europäischen Flüchtlingskrise als Unterkunft für Geflüchtete genutzt.
  • Auch diese Phase gehört zur Geschichte des Gebäudes.
  • Sie ist vielleicht weniger spektakulär als die Mannesmann-Vodafone-Auseinandersetzung oder die Gründung Nordrhein-Westfalens.
  • Gerade deshalb sollte sie aber nicht vergessen werden.
  • Denkmäler bestehen nicht nur aus den großen Ereignissen, sondern auch aus den unterschiedlichen Menschen und Nutzungen, die sie im Laufe ihrer Geschichte aufnehmen.

“Vom Verwaltungsgebäude zum Museum”

  • Heute steht der Behrensbau vor seinem nächsten großen Funktionswechsel.
  • Seit Frühjahr 2024 wird das Gebäude umfassend saniert und für seine zukünftige Nutzung als Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen vorbereitet.
  • Die bauliche Fertigstellung ist derzeit für 2030 vorgesehen.
  • Das Gebäude ist derzeit geschlossen.

“Das Ziel ist dabei bemerkenswert”

  • Der Behrensbau soll nicht nur die Geschichte Nordrhein-Westfalens beherbergen.
  • Er selbst ist Teil dieser Geschichte.
  • Genau deshalb kann das Gebäude künftig zu einem besonders starken Ausstellungsort werden.
  • Wer die Geschichte Nordrhein-Westfalens vermitteln will, könnte kaum einen passenderen historischen Ort wählen.

“Der Behrensbau als größtes Exponat”

  • Die Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen beschreibt den Behrensbau sinngemäß selbst als Teil beziehungsweise als besonders bedeutendes Exponat der zukünftigen Ausstellung.
  • Das Gebäude erzählt bereits durch seine Architektur, seine Räume und seine Nutzungsgeschichte einen Teil der Landesgeschichte.
  • Das ist museal ausgesprochen interessant.
  • Normalerweise geht man in ein Museum, um Geschichte anhand von Gegenständen zu betrachten.
  • Im Behrensbau befindet man sich dagegen selbst in einem historischen Gegenstand.
  • Die Wände, Räume, Treppen, Fassaden und die Konstruktion gehören zur Geschichte.
  • Das Gebäude ist deshalb nicht nur Behälter für Geschichte.
  • Es ist selbst Geschichte.

“Die Zukunft des Hauses der Geschichte NRW”

  • Nach der Sanierung soll im Behrensbau das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen entstehen.
  • Für die zukünftige Nutzung sind nach Angaben der Stiftung rund 7.000 Quadratmeter Nutzungsfläche vorgesehen.
  • Etwa 3.000 Quadratmeter sollen auf die Dauerausstellung entfallen, rund 1.500 Quadratmeter auf Wechselausstellungen.
  • Hinzu kommen Räume für museale Infrastruktur sowie Bildungs- und Vermittlungsangebote.
  • Seit 2026 arbeitet die Stiftung für die Entwicklung der künftigen Dauerausstellung unter anderem mit Ralph Appelbaum Associates und dem Medienszenografen Schnelle Bunter Bilder zusammen.
  • Die Eröffnung des Museums ist derzeit für 2030 vorgesehen.
  • Damit steht der Behrensbau erneut an einem Wendepunkt.
  • Aus einer Industrie-Zentrale wird ein Museum über die Geschichte eines ganzen Bundeslandes.

“Die Festungsmauer unter dem Behrensbau”

  • Besonders faszinierend ist, dass die Geschichte des Ortes inzwischen sogar noch weiter zurückreicht, als man bisher unmittelbar am Gebäude erkennen konnte.
  • 2026 wurden während des Umbaus rund 3,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau Reste historischer Düsseldorfer Festungsanlagen entdeckt.
  • Die Stadt Düsseldorf bezeichnete den Fund als „Denkmal des Monats August 2026“.
  • Die Mauerreste gehören zur sogenannten oberrheinischen Front der Festungsanlagen aus dem 18. Jahrhundert.
  • Damit liegt unter dem Behrensbau buchstäblich eine ältere Geschichte der Stadt.
  • Das ist für mich einer der spannendsten Aspekte des gesamten Ortes.
  • Oben steht ein Verwaltungsgebäude des Industriezeitalters.
  • Darunter liegen Überreste der Festungsstadt.
  • Dazwischen liegen Jahrhunderte Düsseldorfer Stadtentwicklung.

”Der Behrensbau wird dadurch zu einer Art historischer Schichtung”

  • Festungsstadt.
  • Rheinische Handelsstadt.
  • Industriestadt.
  • Unternehmensstandort.
  • Besatzungsort.
  • Politisches Zentrum.
  • Konzernzentrale.
  • Schauplatz der Wirtschaftsgeschichte.
  • Flüchtlingsunterkunft.
  • Museum.
  • Kaum ein anderer Ort in Düsseldorf erzählt seine Geschichte auf so vielen Ebenen.

“Der Behrensbau und der Rhein”

  • Und immer wieder kommt man zum Rhein zurück.
  • Der Rhein ist nicht einfach die schöne Kulisse hinter dem Gebäude.
  • Er ist einer der Gründe, warum dieser Standort überhaupt so bedeutend wurde.
  • Der Fluss steht für Verkehr, Handel, Industrie, wirtschaftliche Verbindungen und internationale Beziehungen.
  • Düsseldorf entwickelte sich entlang dieses Flusses und veränderte seine Ufer immer wieder.
  • Der Behrensbau steht deshalb genau an der Schnittstelle zwischen Stadt und Fluss.
  • Wenn man später die Geschichte des Rheins in Düsseldorf betrachtet, wird der Behrensbau nur ein Teil einer wesentlich größeren Geschichte sein.

“Für mich ist das ein sinnvoller nächster Schritt”

  • Nach diesem Gebäude lässt sich der Rhein selbst als historischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und städtebaulicher Lebensraum Düsseldorfs untersuchen.
  • Denn ohne den Rhein ist Düsseldorf kaum zu verstehen.
  • Und ohne die Lage am Rhein ist auch der Behrensbau nicht vollständig zu verstehen.

“Was der Behrensbau über Düsseldorf erzählt”

  • Der Behrensbau ist für mich deshalb mehr als ein Baudenkmal.
  • Er ist ein Spiegel der Stadt.
  • Er zeigt das Düsseldorf des industriellen Aufbruchs vor dem Ersten Weltkrieg.
  • Er zeigt die Bedeutung von Unternehmen wie Mannesmann.
  • Er zeigt die Spannungen der Weimarer Republik und des Ruhrkampfes.
  • Er überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde anschließend Teil des politischen Neubeginns.
  • Er steht für die Entstehung Nordrhein-Westfalens.
  • Er dokumentiert den Wandel der deutschen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
  • Er wurde zum Schauplatz der Mannesmann-Vodafone-Übernahme.
  • Und er wird künftig die Geschichte Nordrhein-Westfalens als Museum erzählen.

”Selbst die neuesten archäologischen Funde erweitern diese Geschichte noch einmal um eine wesentlich ältere Ebene”

  • Für mich als in Düsseldorf-Lierenfeld geborenen Düsseldorfer ist genau diese Verbindung besonders interessant.
  • Ich kenne Düsseldorf nicht nur aus Büchern oder von historischen Fotografien.
  • Die Stadt gehört zu meiner eigenen Herkunft.
  • Wenn ich heute auf ein Gebäude wie den Behrensbau schaue, sehe ich deshalb nicht nur Architektur.
  • Ich sehe einen Teil der Entwicklung jener Stadt, in der ich geboren wurde.
  • Dabei soll der Behrensbau nicht zu einem persönlichen Erinnerungsstück von mir gemacht werden.
  • Dafür ist seine Geschichte viel zu groß.
  • Aber die persönliche Verbindung erklärt, warum mich dieses Gebäude besonders interessiert.

“Ein Gebäude zwischen Rhein, Industriegeschichte und Landesgeschichte”

  • Vielleicht liegt genau darin die außergewöhnliche Bedeutung des Behrensbaus.
  • Peter Behrens schuf 1910 bis 1912 ein Gebäude, das äußerlich an die Tradition anknüpfte und im Inneren bereits weit in die Moderne reichte.
  • Für Mannesmann wurde es zum sichtbaren Zeichen wirtschaftlicher Stärke.
  • Wenige Jahre später wurde es von Besatzungstruppen genutzt.

”Nach dem Krieg wurde es zum politischen Zentrum des neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen”

  • Danach kehrte es wieder in die Welt der Wirtschaft zurück, bevor es erneut den Besitzer und schließlich seine Funktion wechselte.
  • Heute gehört das Gebäude dem Land Nordrhein-Westfalen.
  • Und seine nächste Aufgabe ist vielleicht die passendste seiner gesamten Geschichte.
  • Es soll die Geschichte Nordrhein-Westfalens erzählen.
  • Dabei erzählt es seine eigene Geschichte gleich mit.
  • Der Behrensbau ist deshalb nicht nur ein Gebäude am Düsseldorfer Rheinufer.
  • Er ist ein Stück Düsseldorfer Stadtgeschichte, ein Dokument deutscher Industriegeschichte, ein Ort nordrhein-westfälischer Landesgeschichte und gleichzeitig ein bedeutendes Beispiel für den Übergang von der historischen Architektur zur modernen Büroarchitektur.

”Wer den Behrensbau verstehen will, muss deshalb mehrere Geschichten gleichzeitig betrachten.”

  • Die Geschichte von Peter Behrens.
  • Die Geschichte von Mannesmann.
  • Die Geschichte Düsseldorfs.
  • Die Geschichte des Rheins.
  • Die Geschichte der deutschen Industrie.
  • Die Geschichte von Krieg und Besatzung.
  • Die Entstehungsgeschichte Nordrhein-Westfalens.
  • Und schließlich die Geschichte einer Stadt, die sich immer wieder neu erfunden hat.
  • Genau deshalb gehört der Behrensbau für mich zu den besonders interessanten Gebäuden Düsseldorfs.
  • Und genau deshalb ist seine Geschichte noch lange nicht abgeschlossen.
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